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Ausstellungen 2002

 

Mariella Mosler – Räume

Carsten Borkowski – Klanginstallation nails


Ausstellung:  16.06. – 04.08.2002 

Mariella Mosler (geb.1962) hat an der Dokumenta X teilgenommen und lebt und arbeitet in Hamburg. Jedem der drei Räume des Overbeck-Pavillons hat sie eine ihrer Werkgruppen zugeordnet. Ein ausschließlich aus hellem Ouarzsand gesiebtes Bodenornament bedeckt die gesamte Fläche des ersten Raums.
 
Sein Relief interagiert in besonderer Weise mit dem Raumlicht, so dass die Betrachtenden, je nach Standpunkt, ständig wechselnde Bilderscheinungen vorfinden. Neben dem hohen ästhetischen Reiz wird in dieser Arbeit ein kunsthistorischer Aspekt aufgerufen: die kontroversen Positionen zum Ornament im Jugendstil, dem Bauhaus und der Postmoderne.
 
Ein Fries aus Haarobjekten prägt den zweiten Raum. Die in einer komplizierten Häkel- und Knotentechnik gefertigten Einzelstücke schweben freiplastisch vor der Wand und behaupten sich so im Kontext einer Kunstausstellung als autonome, auf sich selbst bezogene Objekte.
 
Gleichzeitig evozieren sie durch die aufwendige Handarbeit und das Material die kunsthandwerkliche Tradition des Haarschmucks und der Haarbilder des 19. Jahrhunderts. Der dritte Raum ist einer Wandarbeit vorbehalten.
 
Unregelmäßig über die Wand verteilt erscheinen kleine Notizen, handschriftliche Mitteilungen oder Fragmente von Briefen, die zufällig in den Besitz der Künstlerin gelangt sind und die sie über Jahre gesammelt hat.
 
Dieser neue Werkkomplex von Mariella Mosler ist in der Overbeck-Gesellschaft zum ersten Mal zu sehen.

Zeitgleich ist im Behnhausgarten die für diesen Ort geschaffene Klanginstallation „nails“ des jungen Lübecker Komponisten Carsten Borkowski (geb. 1965) eingerichtet.

Wie haltgebend sind religiöse, philosophische, naturwissenschaftliche und andere Inhalte, die in die Zeiten und ihre Menschen geschlagen wurden?
„Die beim Einschlagen eines Nagels eingesetzte Energie lässt ihn verschwinden – und verschwindet. Die kleinste und unwägbare Fehlleitung der eingesetzten Energie macht ihn unbrauchbar – er hält nichts mehr.“ (Carsten Borkowski)   4 Künstlerinnen und Künstler kochen für Overbeck Mariella Mosler, Carsten Borkowski,
Marko Lehanka, Anne Berning

Museumsnacht: 17.08.2002                                            

Ihre Werke werden von  Juni bis Dezember 2002 in den Ausstellungen der Overbeck-Gesellschaft gezeigt. In der Museumsnacht sind die vier Künstler/innen persönlich anwesend. Sie kochen, decken Tische, gestalten Räume und das Musikprogramm. Wir laden Sie ein, mit ihnen und uns zu feiern!
 
 


 
 

Marko Lehanka -  „at boys eden garten“


Ausstellung:  01.09. – 13.10.2002

Der Frankfurter Künstler Marko Lehanka (geb. 1961) gestaltet keine Installationen im herkömmlichen Sinn, er entwickelt seine Kunsträume nach sehr genauer Beobachtung von Lebensräumen. Insofern nehmen seine Arbeiten nicht nur Bezug auf den näheren und weiteren jeweiligen Ausstellungsort, sondern wachsen dort in einem zeitintensiven Prozess aus Fragmenten und Versatzstücken früherer Werke und Neuhinzugekommenem zu komplexen Kunstbiotopen zusammen. An den Schnittstellen von Ordnung und Unordnung, Konstruktion und Destruktion, Kunst und Nichtkunst, Trivialem und Erhabenem, Sinn und Unsinn  wird hier experimentiert. Die heterogenen Materialien und teilweise banalen Fundstücke aus denen sich die einzelnen Objekte zusammensetzen, verweigern ästhetische Glätte und technische Perfektion und unterlaufen so zwar spielerisch, doch deutlich subversiv, gängige Vorstellungen von Wahrheit und Absolutheit in der Kunst.

Nach seinem Studium von 1985-1990 an der renommierten Frankfurter Städelschule bei Thomas Bayrle und Michael Croissant, wurden schon bald der damalige Leiter des dortigen Museums für Moderne Kunst, Jean-Christophe Ammann, und der damalige Leiter der Städelschule,  Kasper König, auf seine Arbeiten aufmerksam und förderten ihn. Den vorläufigen Höhepunkt seiner Ausstellungstätigkeit bildete die Teilnahme an der 49. Biennale von Venedig 2001.
 
Fragmente der dort gezeigten Skulptur mit dem Titel „Brandenburger Tor“ sind in der Lübecker Ausstellung zu sehen, allerdings in einem deutlich veränderten inhaltlichen Zusammenhang. War das aus bemaltem Holz und Spanplatten auf Möbelrollen mal hier, mal dort abzustellende Tor mit seinen wacklig aufeinandergestapelten Säulen in Venedig ein Symbol für die turbulente geschichtliche Entwicklung Deutschlands, so werden dessen Säulen in Lübeck als Fundobjekte in einer künstlerischen Ausgrabungsstätte eingesetzt. Der historische Behnhausgarten fungiert als Grabungsort. Gesucht und gefunden wird  zeitgenössische Kunst. Dient der Garten der Grabung, Bergung und Lagerung des Gefundenen, so sind im Pavillon die Werkstatt mit intrgriertem Grill und der Videoraum mit Sitzecke und Waschmaschine untergebracht.
 
Unterhalb dieser sichtbaren, humoristisch-erzählerischen Ebene der Ausstellung mit ihrer zwischen Subversion und Naivität changierenden Heiterkeit offenbart sich eine fast ketzerische Grundhaltung des Künstlers gegenüber allen starren, einengenden Konventionen, wozu er ästhetische Normierungen, etwa im Sinne eines guten Geschmacks, ebenso zählt wie bestimmte, die Kunst durch Normen eingrenzende Kunstauffassungen. Mit der Einrichtung einer fiktiven archäologischen Ausgrabungsstätte - in der allerdings  zeitgenössische Kunst ausgegraben wird - gerade in dem Bereich des Museumsgartens, in dem wichtige Plastiken etablierter, moderner Bildhauerinnen und Bildhauer aufgestellt sind, beginnt Marko Lehanka ein humoristisch- hintergründiges Verwirrspiel um hierarchische Strukturen in der Kunst, um ein Ausspielen der historischen Kunst gegenüber der zeitgenössischen, der sogenannten hohen Kunst gegenüber der vermeintlich trivialen.                                                                       
                                                                                                                                          



 


Anne Berning – Malerei


Ausstellung:  03.11. – 15.12.2002

Die Malerin Anne Berning (geb.1958)  lebt und arbeitet in Berlin.  Ihre Bildmotive entnimmt sie der westlich geprägten Malereigeschichte von Petrus Christus über Vermeer und Caspar David Friedrich, bis zu Alex Katz und Ed Ruscha. 
 
Aneinandergereihte, alphabetisch nach den Namen der Maler und Malerinnen geordnete Kunstbücher in riesigem Format sind signifikant für eine ihrer Werkgruppen, extrem vergrößerte Postkarten mit Detailabbildungen von anerkannten Meisterwerken der Kunstgeschichte für eine weitere.
 
Walter Benjamins Frage nach dem Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit wird in diesen Werken aufgeworfen und gleichzeitig ad absurdum geführt, denn Anne Bernings Bilder sind keine Kopien oder Reproduktionen, es sind Originale, die durch die exzellente Beherrschung der Technik der Ölmalerei bestechen.
 
Die Spirale hat sich also weitergedreht. Am Beginn des 21. Jahrhunderts lautet die Frage: Sind Begriffe wie Meisterwerk, Original, Reproduktion oder Fälschung überhaupt noch sinnvolle Kategorien in der heutigen Kunstwelt – oder ketzerisch: Waren sie es jemals?
 
Waren sie nicht immer Ausgrenzungsmechanismen und insoweit Machtinstrumente des Kunstmarkts?