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Ausstellungen

Cocon Cocon – Arbeiten von Andrea Ostermeyer       

11.01.  – 29.02.2004

Eine leuchtend orangerote Wicklung, einen überdimensionalen Kokon, baut die 1961 in Lübeck geborene Künstlerin Andrea Ostermeyer  in den Luftraum des Overbeck-Pavillons.
Dieser weiche Körper, Metapher für den temporären Rückzug während eines Entwicklungsprozesses,  besetzt den Raum, man muss ihn umkreisen oder sich bücken, will man den zweiten Raum betreten.
 
Dieser erscheint zunächst leer. Erst im Vorbeigehen erschließt sich die Schrift auf der Wand, die mit Klarlack aufgetragenen Buchstaben reflektieren das Licht. Der Text, der zu keinem Zeitpunkt als Ganzes wahrgenommen werden kann, handelt von Anwesenheit und Abwesenheit, Wohnen und Unbehaust sein.
 
Mit dem Medium der Sprache wird das Thema des Kokons fortgeführt. Den dritten Raum nimmt eine skulpturale Werkgruppe ein. In loser Formation liegen vorwiegend schwarze, aus fest verdrehtem Garn gewickelte Gebilde beieinander. Trotz der deutlichen Konzentration auf ihre äußere Form wecken auch sie die Neugier auf einen inneren Raum, den sie verbergen.

Andrea Ostermeyer studierte an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig, sie war Meisterschülerin bei Heinz-Günter Prager und lebt heute in Köln.
Ergänzt wird die Ausstellung durch ein weiteres hängendes Großobjekt in der Kunsthalle St.- Annen.
 
 

 

Rekord aus Berlin 

 28.03. – 09.05.2004

„rekord“ ist ein Galerieprojekt von zwölf KünstlerInnen, alle unter sechsunddreißig Jahren, die an den Kunstinstituten von Berlin, Dresden und Leipzig studiert haben. Gemeinsam mieteten sie Räume in Berlin Mitte-Nord, stellten einen Galeristen ein und vermarkten nun erfolgreich ihre Kunst mit einem Konzept, dass die Idee der Produzentengalerie an das Galeristen-Modell ankoppelt.
 
Fünf von ihnen stellen in der Overbeck-Gesellschaft aus.

Katrin Hofferts Malerei basiert auf fotografischen Momentaufnahmen alltäglicher Straßenszenen, von Großstadtarchitekturen oder von menschlichen Gesichtern. In fast impressionistischer Malweise löst sie Konturen auf oder lässt Liniengeflechte hervortreten, so dass die Unschärfe von aus zu großer Nähe betrachteten Fernsehbildern entsteht.

Die Bilder von Matthias Kanter zeigen einen architektonischen Bildaufbau, der aus der Intensität und der Struktur der aufgetragenen Farbe entwickelt wird. Umrisse werden durchlässig, Oberflächen geraten in Schwingung und beginnen diffus zu strahlen.

Auch Wiebke Maria Wachmann versteht sich als Malerin, obwohl sie dreidimensionale, weiße „Raumbilder“ baut, die in die Architektur des Ausstellungsraums integriert werden und diesen verändern.

 „Kindfrauen“ bevölkern die Werbung, die Musik- und die Filmbranche. Mit ihren scheinbar naiven Filzstiftzeichnungen  attackiert Cornelia Renz sowohl diese kulturell tradierten Bilder, als auch deren ästhetische Darstellungsformen.

Antje Blumenstein entlarvt in ihren weißen, scherenschnittartigen Styropor- Porträts gesellschaftliche und politische Widersprüche.
 
 
 
 

 

Die erste Skizze      

 
06. 06. – 18.07.2004
Die Skizze als Darstellungsmedium und persönliche Handschrift des Architekten steht im Mittelpunkt der Ausstellung - schnell mit dem Bleistift aufs Kalenderblatt geworfen wie Daniel Libeskinds Entwurf für das Jüdische Museum in Berlin oder akribisch getuscht wie Santiago Calatravas „Oberbaumbrücke“, ebenfalls in Berlin.
 
Der Berliner Architekt Professor Gernot Nalbach, der an der Universität in Dortmund lehrt, hat eine umfangreiche Sammlung von ersten Skizzen zu bedeutenden Architekturprojekten zusammengetragen, die er von seinen Kollegen erbeten hat.
 
Darunter befinden sich eine Vielzahl von international äußerst prominenten Namen, wie Tadao Ando, Norman Foster, Aldo Rossi, Zaha Hadid  oder Ben van Berkel, aber auch Josef Hoffmann, Hans Poelzig und Louis Kahn.


 
  
 

Das Wellenhaus – Kunst im öffentlichen Raum

Ich sehe Indien – Ausstellung von Volker Lang

15.08. – 26.09.2004

Ein Höhepunkt im diesjährigen Ausstellungsprogramm der Overbeck-Gesellschaft ist das zweiteilige Kunstprojekt von Volker Lang: Das Wellenhaus – Ich sehe Indien.

Das Wellenhaus, ein massives 8m langes Holzgebäude, steht auf dem Brodtener Steilufer, eine inhaltlich mit diesem Kunstwerk im öffentlichen Raum korrespondierende Ausstellung ist im Pavillon der Overbeck-Gesellschaft zu sehen.

Die Grundlage beider Projekte bildet der 1931 erschienene Roman „Die Wellen“ von Virginia Wolff. Die britische Autorin hat darin die Lebensgeschichten von sechs Freunden, ihre Gespräche, Gedanken und Gefühle mit dem Motiv des Wassers zu einem mehrstimmigen Meisterwerk verwoben.

Volker Lang hat für die Stimmen von Jinny, Rhoda, Louis, Neville, Susan und Bernard ein Haus geschaffen. In einer 15-minütigen Sprachinstallation, die per Tastendruck in Gang gesetzt wird, nimmt der Besucher an der literarischen Handlung teil. Der Text bestimmt die Lage des Hauses sowie die Anordnung der Fenster. Die Beziehung zur Landschaft, ihre Perspektiven und Geräusche spielen eine wesentliche Rolle in der Inszenierung.
 
Die Ausstellung Ich sehe Indien bezieht sich mit weiteren künstlerischen Ausdrucksmitteln auf Bilder und Motive des Romans. Mit großflächigen Wandzeichnungen, architektonischen Elementen und einer Videoaufnahme wird die komplexe Auseinandersetzung von freier Kunst mit Literatur fortgeführt.

Das Wellenhaus ist das bedeutendste von zahlreichen Literaturprojekten des 1964 in Augsburg geborenen und heute in Hamburg lebenden Künstlers Volker Lang. 1999 baute er im niederländischen Leeuwarden ein Haus für Robert Musils Novelle „Die Portugiesin“, 2000 realisierte er in Venedig die Inszenierung einer Kriminalgeschichte von Jorge Luis Borges, 2003 brachte er in der Kunsthalle Düsseldorf Auszüge aus dem „Triptychon“ von Claude Simon zur Aufführung.
 
 

 
 

 

Kunst im kleinen Format              

 
24.10. – 05.12.2004
 
In der letzten Ausstellung des Jahres 2004 zeigt die Overbeck-Gesellschaft Kunst im kleinen Format – Editionen, Serien und Jahresgaben von 12 Künstlerinnen und Künstlern aus Finnland, Dänemark, Groß-Britannien und Deutschland. Alle diese Arbeiten, Plastiken, Fotografien, Malerei, konzeptueller Schmuck und Papierreliefs verbindet inhaltlich ein Moment hintergründiger Ironie oder Verfremdung.

In der vierteiligen Reihe „Bücher“ von Nicolas Freitag werden scheinbare Cover von Büchern und Katalogen vorgestellt, Anlehnungen an tatsächlich veröffentlichte oder fiktive Publikationen.
 
Vielsagend erzählend werden in dieser Malerei kommerzielle Signers und alltägliche Ikonografien kaum merklich zu künstlerischen Aussagen von Wahrnehmungskritik und Wahrnehmungslust umfunktioniert. Die spiegelnden Oberflächen der „Pfützen“, die an dickflüssige schwarze Öllachen erinnern, laden ein zu intensiver narzisstischer Selbstbespiegelung und die Serie der „Illusion Drops“ weist auf das trügerische aller Aufputschmittel, ob medial oder oral konsumiert.

Harry Haucks 3, 30 m hohe Säulen, wie aus schwarzem Granit gemeißelt, irritieren in einer Ausstellung von Kunst im kleinen Format, bis, bei genauerer Betrachtung, ein in Bodennähe erkennbares Ventil das Rätsel löst.
Kim Buck, Designer für Georg Jensen und einer der bedeutendsten Schmuckgestalter Dänemarks, thematisiert in seinen konzeptuellen Arbeiten eine seit Jahrtausenden wesentliche Funktion von Goldschmuck als Darstellung von Macht und Reichtum.
 
Aus hochglänzender, goldfarbener Kunststofffolie produziert er Formen, die, mit Luft aufgeblasen, einen repräsentativen „Goldarmreifen“ ergeben. Über die Ironie des Materials werden diese Schmuckstücke aus ihrem eigentlichen kunsthandwerklichen Zusammenhang gelöst und in den Kunstkontext überführt.

Wolfgang Müllers hintergründiger Humor äußert sich in so skurrilen Projekten wie der Erstübersetzung von Goethes „Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklären“ ins Isländische oder der Herausgabe von „Blue Tit“, dem deutsch-isländischen Blaumeisenbuch, auf das sich der ausgestellte Meisenknödel aus Bronze bezieht.
 
Zwei in Silber gegossene Ringe sind Kopien von ebensolchen aus Aluminium, mit denen bestimmte Vogelarten beringt werden. Die eingravierten Nummern wurden von der Vogelwarte in Helgoland aus ihren Registrierungslisten ausgegliedert und dem Künstler für seine Unternehmung zur Verfügung gestellt. Wer einen solchen Ring erwirbt, wird mit seinem Namen erfasst und für den Todesfall wird darum gebeten, den Ring mit genauen Angaben zu Ort und Datum des Ablebens an die Vogelwarte zurückschicken.

Die Fotografien des Finnen Jari Silomäki erzählen in einer neunteiligen Serie Variationen der immergleichen Geschichte des Verliebtseins. Der sich selbst porträtierende Künstler im Vordergrund und die Auserwählte des Tages im Hintergrund befinden sich in Situationen, die keine Schlüsse darüber zulassen, ob beide sich überhaupt kennen, ob es sich um eine sich anbahnende oder verflossene Liebe handelt.
 
Trotz oder gerade wegen ihrer Uneindeutigkeit weiß jeder, der diese unprätentiösen Schwarz-Weiß-Fotos betrachtet, um die Gefühle, die hier im Spiel sind.

Masako Hamaguchi, die in London lebende Japanerin, hat sich von einer herkömmlichen Schmuckgestaltung weit entfernt. Ihre aus feinstem Garn gehäkelten, rein weißen Schmuckobjekte sind teils an geometrische, teils an organische Formen angelehnt. Sie rufen vielfältige Assoziationen hervor, verweigern jedoch eindeutige Bezugnahmen.

Christoph Blum bezieht sich mit seinen Objekten auf Klassiker des Designs wie den „Ameisen-Stuhl“ von Arne Jacobsen und die Tischleuchte des Bauhauskünstlers Wilhelm Wagenfeld. Die Adaption geschieht auf ironisch-karikierende Weise, denn Blum verwendet für die Leuchte einfache Materialien wie Aluminium, Chrom-Klebefolie und transparentes Paket-Klebeband, so dass ihre funktionalistische Symbolfunktion entfällt.
 
Auch auf Blums Ameisenstühlen ist es unmöglich zu sitzen - sie sind jeweils auf unterschiedliche Weise eingeknickt - ein spielerisch-ironischer Verweis vor dem Hintergrund des allgegenwärtigen Design-Klassikers von Jacobsen.

Die Themen von Jochem Hendricks kreisen seit vielen Jahren in einem inhaltlich komplexen Terrain unterschiedlicher Bedingungen zwischen Wissen, Spekulationen, und einer Sehnsucht nach Erklärung. Sie lenken dabei die Aufmerksamkeit immer wieder auf das Motiv des Scheiterns solcher Forderungen.
 
Der Plastik „3.281.579 Sandkörner“ ging die Arbeit des Zählens der einzelnen Körner des in einem Glasgefäß befindlichen Sandes voraus, die 12 Assistenten in fast 1.000 Stunden verrichteten. Inhaltlich thematisiert Hendricks eine Befragung des Wahrheitsbegriffs, vor allem des wissenschaftlichen im Sinne von Exaktheit, Präzision, Messbarkeit und Überprüfbarkeit, also von objektiver Wahrheit. Das Kriterium der Messbarkeit wurde bis zur Lächerlichkeit übertrieben und auch die exakte Überprüfbarkeit wird ad absurdum geführt.

Das Objekt von Urs Breitenstein zeigt zwei auf dem Kopf stehende Schuhe, von denen die Schnürsenkel herabhängen. Auf ihren Sohlen befinden sich jeweils vier zu Bergen aufgehäufte Mehlhaufen. Miteinander kombiniert, formulieren Schuhe und Mehl eine Metapher des Wanderns sowie der Reise.
 
Gleichzeitig ist der Schuh Symbol der Bodenständigkeit und Freiheit, hier jedoch in dieser Funktion verfremdet, wird er zum Träger der Gebirge. Deren eigentlich schwere Last ist wiederum leicht durch das Material Mehl. Insofern spricht Breitenstein eher Ambivalenzen an, als das er ein in sich stimmiges Bild beschreiben.
 
In die Ausstellung integriert sind Jahresgaben. Volker Lang, dessen Wellenhaus noch bis Ende Oktober am Brodtener Ufer in Travemünde steht, zeigt Betonskulpturen.

Von Andrea Ostermeyer ist eine kleine orange-rote Wicklung zu sehen und von Peter Turpin wird eine Serie von reliefartigen Graphitzeichnungen gehängt.