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Carl Georg Heise (1890-1979)

Der gegenwärtige Augenblick

Oktober 2021 – Juni 2022 

Vortragsreihe anlässlich des 100jährigen Jubiläums seines Dienstantritts in Lübeck.

Der deutsche Kunsthistoriker Carl Georg Heise (* 1890 in Hamburg) gilt als wegweisender Museumsdirektor zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Von 1920 bis 1933 leitete er die Lübecker Museen und von 1945 bis 1955 die Hamburger Kunsthalle. Seine kuratorische Praxis orientierte sich an kunstübergreifenden Präsentationsansätzen, die Bildende Kunst mit dem Kunsthandwerk oder den öffentlichen Raum mit dem White Cube eines Museums verknüpfte. Heute würde man diese Herangehensweise als eine an der Bildwissenschaft orientierte bezeichnen, die nicht zuletzt enorm durch seinen Mentor und Freund Aby Warburg (1866–1929), dem großen Reformator der klassischen Kunstgeschichte, beeinflusst worden ist. 
Nach dem Studium der Kunstgeschichte in Freiburg, Halle, München, Berlin und Promotion in Kiel wurde er 1916 Mitarbeiter der Hamburger Kunsthalle unter Direktor Gustav Pauli (1866–1938). 1920 ging Heise als Museumsdirektor des St. Annen Museums und Leiter der Overbeck-Gesellschaft nach Lübeck und prägte das Kulturleben der Stadt entscheidend. Auf seine Initiative geht die Gründung des Museums Behnhaus 1921 zurück, das er im Laufe der Jahre als bedeutendes Museum der Gegenwartskunst etablierte. In diesem Zuge baute er eine beachtliche Sammlung expressionistischer Kunst auf. Gleichzeitig war er einer der ersten Museumsdirektoren, der die Fotografie, im Sinne Warburgs, als künstlerisches Medium betrachtete, und sie in seine Ausstellungs- und Sammlungskonzeption mit einbezog. Im öffentlichen Raum initiierte Heise in Lübeck die Museumskirche St. Katharinen, die er als eine  Skulpturenhalle für Kunst aus dem Ostsee-Raum verstand, und für deren Außenfassade er Werke von Ernst Barlach (1870–1938) erwarb. Nach seiner Zwangspensionierung 1933 durch die Nationalsozialisten lebte Heise in Berlin und arbeitete dort für den Gebr. Mann-Verlag, bevor er ab 1945 die Hamburger Kunsthalle wieder an die international bedeutenden Kunstströmungen heranführte und als eine der wichtigsten Kunstinstitutionen in Deutschland etablierte. Heise verstarb am 11. August 1979 in Hamburg.

Eine Vortragsreihe der Overbeck-Gesellschaft und des Kunstgeschichtlichen Seminars der Universität Hamburg. In Kooperation mit den Lübecker Museen, dem Warburg-Haus in Hamburg, der Gemeinnützigen und dem ZKFL in Lübeck.

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Peter Piller

Geröll

26. Juni – 28. August 2022

In den vergangenen Jahren setzte sich der Hamburger Künstler Peter Piller (*1968 in Fritzlar) in seinen Ausstellungen intensiv mit prähistorischer Malerei auseinander. Geweckt wurde sein Interesse für die frühgeschichtliche Kunst bereits 1999 während des Studiums, als er auf der Suche nach Zeichnungen war, die Analogien zu seinem eigenen zeichnerischen Verständnis aufwiesen. Die Zeichnung ist für ihn von Anbeginn seiner künstlerischen Auseinandersetzung ein wichtiges Medium. 
Während seiner Recherche entdeckte Peter Piller wissenschaftliche Publikationen, die nicht nur Fotografien der weltbekannten Tierdarstellungen aus prähistorischen Höhlen in Frankreich und Spanien zeigen, sondern auch skizzenhafte Zeichen, von so genannten „unbestimmten Linien“ an den Wänden, die sich einer exakten Bestimmung entziehen. In der Ausstellung in der Overbeck-Gesellschaft werden vergrößerte Reproduktionen aus derartigen Vorlagen zu sehen sein, oft mit Unschärfen und Fehlern versehen, die den Eindruck eines offenen Zeichensystems verstärken. Bei den auf den Wandoberflächen der Höhlen vorhandenen Linienansammlungen könnte es sich demzufolge auch um topographische Luftaufnahmen handeln. Diesen Reproduktionen stellt Peter Piller in der Lübecker Schau seine eigenen „Ortszeichnungen“ gegenüber, die in der Umgebung der von ihm besuchten Höhlen entstanden sind. Auch hier offenbaren sich in den Linienkonstruktionen unbestimmbare Gebilde, ähnlich wie bei den abfotografierten Abbildungen der Höhlenzeichnungen. Der Künstler möchte sie ähnlich wie die prähistorischen Malereien als subjektive Erinnerungs- und Vorstellungsspuren verstanden wissen und nicht als Orientierung bietende kartographische Erfassungen.

Eröffnung am Sa., 25. Juni 2022, 17.00