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Cornelius Völker

Verflüchtigungen

16 April - 30 Mai 2021 - Overbeck-Pavillon

Das Œuvre des in Düsseldorf lebenden Künstlers Cornelius Völker (* 1965) ist durch die Auseinandersetzung mit zahlreichen tradierten Gattungen der Malerei geprägt. Er bewegt sich hier ähnlich wie Dieter Krieg (1937–2005), bei dem er von 1992 bis 1995 an der Kunstakademie Düsseldorf studierte, stets außerhalb festgelegter Grenzen jeglicher Stilkonventionen und lotet die malerischen Methoden in formaler wie inhaltlicher Hinsicht immer wieder auf ein Neues aus. Galt zum Beispiel beim Porträt in der Malerei bei zahlreichen kunsthistorischen Vorläufern die Wiedergabe einer Person in einer frontalen Ansicht oder im Profil als ideale Positionierung, versucht Völker seine Protagonisten in einer beiläufigen Tätigkeit oder Haltung abzubilden, die Situation beim Entkleiden eines Pullovers, Mundpartien als fragmentarischer Ausschnitt oder Hinterkopfanschauungen. Eine vergleichbare Herangehensweise verfolgt er ebenso bei seinen Stillleben, die sich hinsichtlich des Sujets zwar zum Teil an historische Vorläufer orientieren, deren Wiedergabe sich aber nicht an einer idealisierten Sichtweise in der Kunstgeschichte orientieren. Die Ausstellung Verflüchtigungen widmet sich erstmals ausschließlich dieser Gattung im Werk des Künstlers, die durch zahlreiche Zyklen und Einzelarbeiten belegt ist. Sie beschäftigt sich mit den Themenbereichen von Vergänglichkeit und Zeit, von Verflüchtigung und Auflösung, mit Verformungen, Schwund und Verfall sowie Krankheit und Tod.  So stehen Motive wie Kerzen und Feuerzeug, verbrannte Bücher und Asche, sich auflösende Früchte beziehungsweise deren Reste nach dem Verzehr und abgefallene Blüten, Abflüsse, Lachen und Müll sowie Dinge aus dem alltäglichen  Gebrauch des Alltags wie Taschentücher, Tampons, Pflaster oder Salbentuben im Vordergrund der Aufmerksamkeit.
 
Völkers Kompositionen sind zwar für jede Bildidee inszeniert, trotzdem vermitteln die dargestellten Dinge eine alltägliche Beiläufigkeit, ohne einem auf Konsens beruhenden ästhetischen Geschmack zu folgen. Wenn zum Beispiel der Inhalt eines Abfalleimers wohlüberlegt zusammengestellt und dem entsprechend für eine malerische Umsetzung ausgeschüttet wird, wie bei der Serie der Müll- beziehungsweise Lachen-Bilder (ab 2006 und 2012) vorab geschehen, kann das Prozedere der Inszenierung für eine angemessene Vorlage mehrmals wiederholt werden, bis Völker das Resultat als malerische Herausforderung erachtet. Dieser Vorgang verdeutlicht, dass es ihm nicht um eine Idealisierung des Gezeigten geht, sondern um die Sichtbarmachung vermeintlich unbedeutender ästhetischer Eigentümlichkeiten, in denen sich aber das Wesen und das Eigentliche der Dinge verbirgt. Die malerische Qualität seiner Bilder zeigt sich in Völkers ausgeprägtem Gefühl für Farbe und dem Verständnis ihrer Wirkungsweise einerseits, und andererseits in dem breiten Repertoire an Maltechniken. Völkers Farbauftrag changiert zwischen lasierend und pastos, zwischen nahezu sensibel zart bis expressiv stürmisch. Wo die Möglichkeiten des Pinsels an Grenzen stoßen, werden sie mit Hilfe von Bürsten, Rakeln und Spachteln überwunden.
 
Das Stillleben gehört in der Kunstgeschichte zu den traditionellen Darstellungsweisen, deren Kompositionen durch Objekte, Alltagsgegenstände, Pflanzen, Früchte und leblose Tiere in einem sorgsam arrangierten räumlichen Gefüge bestimmt sind. Völkers Interpretationen des Stilllebens kommen mit Ausnahme einzelner Arbeiten ohne einen definierten Raum aus. Selten ist der Ausschnitt einer Gesamtsituation gewählt, die einen größeren räumlichen Kontext erahnen lässt. Vielmehr sind einzelne Sujets oft isoliert wiedergegeben. Diese Betonung einer Momentaufnahme spiegelt sich auch in der Betitelung der einzelnen Werke wider, die sich auf die schlichte Benennung der zu sehenden Objekte beschränkt, ohne einen weiteren Bezugsrahmen. Die Titel haben also eher katalogisierenden Charakter; die Geschichte, die Stimmung und die Intention werden ausschließlich mit malerischen Mitteln erzählt. Prägnant ist in diesem Zusammenhang Völkers kontrastreiche Setzung von Farbe, in Verbindung mit einem gezielten malerischen Lichteinsatz, der – einmal mehr, einmal weniger – Spiegelungen der Bildobjekte hervorruft und somit deren Plastizität erhöht. „Diese extremen Kontraste zu den Hintergründen kommen daher, dass ich etwas machen wollte, was man grundsätzlich wohl eher versucht zu vermeiden“, so Völker. „Beides, Figur und Grund, trennt sich so voneinander, dass es schwer ist, dann wieder eine Verbindung im Bildganzen herzustellen. Für mich war das interessant, weil ich gemerkt habe, dass durch eine solche Isolierung der Figur eine ganz eigene Malfläche, ein Bild im Bild, entsteht, das sich kategorial vom Hintergrund löst.“ Durch die Art und Weise wie Völker Farbe einsetzt, der Wahl seiner Sujets, die meist eine Verortung in die Gegenwart erlauben sowie der Inszenierung der Motive, die eine Nähe zu derzeitigen medienwirksamen Bildkompositionen erahnen lässt, verdeutlicht er die Notwendigkeit von Malerei als eine mögliche Form der Bildartikulation im 21. Jahrhundert.

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DEU, Luebeck, April 2021, Ausstellung von Cornelius Voelker in der Overbeck Gesellschaft, Copyright photo: Fred Dott, Hamburg, www.freddott.de
Cornelius Völker, Verflüchtigungen, Ausstellungsansicht Overbeck-Gesellschaft, Foto: Fred Dott
DEU, Luebeck, April 2021, Ausstellung von Cornelius Voelker in der Overbeck Gesellschaft, Copyright photo: Fred Dott, Hamburg, www.freddott.de
Cornelius Völker, Verflüchtigungen, Ausstellungsansicht Overbeck-Gesellschaft, Foto: Fred Dott
DEU, Luebeck, April 2021, Ausstellung von Cornelius Voelker in der Overbeck Gesellschaft, Copyright photo: Fred Dott, Hamburg, www.freddott.de
Cornelius Völker, Verflüchtigungen, Ausstellungsansicht Overbeck-Gesellschaft, Foto: Fred Dott
DEU, Luebeck, April 2021, Ausstellung von Cornelius Voelker in der Overbeck Gesellschaft, Copyright photo: Fred Dott, Hamburg, www.freddott.de
Cornelius Völker, Verflüchtigungen, Ausstellungsansicht Overbeck-Gesellschaft, Foto: Fred Dott
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Cornelius Völker, Verflüchtigungen, Ausstellungsansicht Overbeck-Gesellschaft, Foto: Fred Dott
DEU, Luebeck, April 2021, Ausstellung von Cornelius Voelker in der Overbeck Gesellschaft, Copyright photo: Fred Dott, Hamburg, www.freddott.de
Cornelius Völker, Verflüchtigungen, Ausstellungsansicht Overbeck-Gesellschaft, Foto: Fred Dott
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Cornelius Völker, Verflüchtigungen, Ausstellungsansicht Overbeck-Gesellschaft, Foto: Fred Dott
Special Times

Jahresgaben 2020

16 April - 30 Mai 2021 - Overbeck-Pavillon

Parallel zur ersten Ausstellung des Jahres bietet die Overbeck-Gesellschaft auch zu Beginn 2021 ihren Mitgliedern wieder Jahresgaben an. Die Beiträge von sieben Künstlerinnen und Künstlern, die 2020 an Ausstellungen teilgenommen haben, decken ein breites Spektrum an Themen, Formaten und künstlerischen Arbeitsweisen ab. Damit bietet sich die exklusive Gelegenheit, Kunstwerke zu einem erschwinglichen Preis zu erwerben und die eigene Sammlung auf- und auszubauen. Der Titel der diesjährigen Jahresgabenausstellung Special Times verweist auf das allgegenwärtige Thema der Corona-Pandemie, die insbesondere für Kunst- und Kulturschaffende eine drastische und außerordentlich schwierige Zeit darstellt. Jeder Käufer einer Jahresgabe fördert nicht nur die Künstlerinnen und Künstler, sondern unterstützt damit maßgeblich das Programm der Overbeck-Gesellschaft. 

Für das Jahr 2020 sind Jahresgaben mit herausragenden Arbeiten von Peyman Rahimi, Dan Peterman, Louis Bindernagel und Laura Laipple (Precious Plastic), Christoph Faulhaber, Yngve Holen und Carola Ernst im Programm.

Für Bestellungen nutzen Sie bitte das Bestellformular. Für Rückfragen stehen wir Ihnen gern per Email unter info@overbeck-gesellschaft.de oder telefonisch unter +49 (0)451 74760 zur Verfügung.

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Special Times, Jahresgaben 2020, Ausstellungsansicht Overbeck-Gesellschaft, Foto: Fred Dott
Special Times, Jahresgaben 2020, Ausstellungsansicht Overbeck-Gesellschaft, Foto: Fred Dott